Rainer Böhm Sextet – Live at the Bird’s Eye
Release: 27. November 2026


Live at the Bird’s Eye
1. March 07:47
2. Snowflakes 08:11
3. Komunikado 06:39
4. Nebula Hymn 08:34
5. CSD 05:46
6. Familia 07:51
7. The Way You Think 10:38
Total Time: 55:30
All compositions by Rainer Böhm.
Line-Up
Percy Pursglove – trumpet
Wanja Slavin – alt sax
Domenic Landolf – tenor sax
Rainer Böhm – piano
Arne Huber – bass
Jonas Burgwinkel – drums
Recorded by Hannes Kumke at the Bird´s Eye in Basel from December 13 – 14, 2024
Mixed by Christian Heck at Tonart Studio Cologne in 2026
Mastered by Christoph Stickel in 2026
Produced by Rainer Böhm & Rebecca Trescher
Design by Sascha Schwegeler
Photos (portrait of the band) by Constantin Iandolino
Info
Dieses Live-Album ist Musik, die sich ganz aus dem Moment heraus entwickelt. Voller Emotionen, voller unerwarteter Wendungen – wie ein Leben: ereignisreich und viel zu schnell vorbei.
Nach dem erfolgreichen und von der Kritik gelobten Debütalbum What If, das mit dem HI FIVE Jazz Award ausgezeichnet und in die Bestenliste der deutschen Schallplattenkritik aufgenommen wurde, erscheint nun das erste Live-Album des Rainer Böhm Sextets. Nach mehreren Jahren gemeinsamer Konzerte auf renommierten Festivals und in Clubs – unter anderem beim Jazzfest Berlin und dem Jazzfest Bonn – entstand diese Aufnahme im Winter 2024 an zwei Abenden im Bird’s Eye Basel.
Das Album fängt die große Kreativität der einzelnen Protagonisten sowie deren Spielfreude und Energie ein. Die Stücke erhalten viel Zeit, sich zu entfalten. Längere Solopassagen, größere Freiräume für Improvisation und ein intensives Zusammenspiel lassen ausladende Spannungsbögen entstehen, die sich von Abend zu Abend neu entwickelten. Gleichzeitig bleibt die intime Atmosphäre des Clubs stets fühl- und hörbar. Sechs starke musikalische Persönlichkeiten treffen hier ohne Kompromisse aufeinander. Gerade weil jeder eine unverwechselbare Stimme besitzt, entsteht ein Bandsound, der sich aus hoher Individualität speist. Rohe Energie und Expressivität stehen neben Sensibilität und Teamplay. Jeder Musiker versteht es auch, sich zurückzunehmen, den anderen Raum zu geben und im richtigen Moment selbst in den Mittelpunkt zu treten. Dieses wertschätzende Miteinander prägt die Musik ungemein.
Die Kompositionen von Rainer Böhm bewegen sich häufig in feinen Nuancen zwischen Melancholie und Sentimentalität. Gerade in der Gefühlsechtheit liegt die besondere Qualität dieser Musik: Sie wirkt offen, unmittelbar und berührend, ohne dabei je ins Pathetische zu geraten. Stücke wie Komunikado und The Way You Think sind bewusst schlicht angelegt und eröffnen der Band große gestalterische Freiräume. Die individuelle Sprache jedes Musikers wird so Teil der Komposition selbst. Andere Stücke wie CSD oder March sind stärker ausgearbeitet und geben den musikalischen Verlauf deutlicher vor.
Rainer Böhms Spiel ist fließend, expressiv und reich an klanglichen Texturen. Die starke Melodik und Gesanglichkeit seiner Linien stehen dabei stets im Vordergrund. Seine technische Souveränität eröffnet ihm nahezu unbegrenzte Möglichkeiten, doch Virtuosität wird nie zum Selbstzweck. Entscheidend bleiben immer der musikalische Ausdruck und der Gesamtklang der Band.
Eine besondere Rolle spielt der Bläsersatz mit Percy Pursglove, Wanja Slavin und Domenic Landolf. Drei sehr unterschiedliche musikalische Persönlichkeiten treffen aufeinander. Ihre individuellen Klangfarben ergeben einen homogenen, gleichzeitig vielschichtigen Satz voller Ecken und Kanten. Domenic Landolfs zurückhaltende Persönlichkeit spiegelt sich auch in seinem Spiel wider. Seine musikalische Exzellenz offenbart sich im Detail. Wanja Slavin hingegen entwickelt auf dem Altsaxophon eine große emotionale Direktheit und zieht einen mit seinem unverwechselbaren Klang sofort in den Bann. Percy Pursglove verbindet große Spontaneität und Kreativität mit einer außergewöhnlichen instrumentalen Beherrschung.
Arne Huber und Rainer Böhm verbindet eine lange, tiefe musikalische und persönliche Freundschaft. Er schafft den Raum, in dem sich seine Mitmusiker frei entfalten können. Jonas Burgwinkel unterstützt dies mit seinem hochkreativen Schlagzeugspiel, das gleichermaßen begleitet, kommentiert und ständig neue Impulse gibt. Er fordert seine Mitmusiker heraus und spannt dabei ein dichtes, pulsierendes rhythmisches Netz.
Einblicke in einzelne Stücke:
March entstand im gleichnamigen Monat und greift die Doppeldeutigkeit seines Titels auch im Groove des Schlagzeugs auf. Die Komposition ist der Besetzung nahezu auf den Leib geschrieben. Wanja Slavin und Domenic Landolf eröffnen das Stück mit einer kontrapunktischen Bläserlinie, deren Spannung den melancholischen Charakter der Komposition noch verstärkt, während Percy Pursglove die Melodie mit einer Selbstverständlichkeit interpretiert, als hätte er sie selbst geschrieben. Das erste Solo spielt Wanja Slavin. Er knüpft unmittelbar an die emotionale Grundstimmung des Stücks an und entwickelt sie mit großer Intensität weiter. Rainer Böhms anschließende Improvisation führt durch unterschiedlichste klangliche Räume: flirrende, beinahe impressionistische Arpeggien wechseln mit akkordischen Passagen, klar phrasierte melodische Linien mit rhythmisch freieren, stets im Puls verankerten Phrasen. Immer wieder schält sich aus dieser Vielschichtigkeit eine unausweichliche Melodie heraus, bei der die Fäden zusammenlaufen. Am Ende verdichtet sich die Musik zunehmend und mündet in ein Finale, das die zuvor aufgebaute Spannung aufgreift und dem Stück einen beinahe hymnischen Abschluss gibt.
Nebula Hymn verfolgt den entgegengesetzten Ansatz. Die reduzierte kompositorische Anlage schafft bewusst Freiräume, in denen sich die Individualität der Band entfalten kann. Das Stück beginnt im Trio, bevor die Bläser nach und nach hinzukommen. Am Ende verdichten sich die Stimmen zu einem polyphonen Satz, in dem jeder Musiker seine eigene musikalische Handschrift einbringt. Währenddessen durchziehen polyrhythmische Überlagerungen zwischen 3/4 und 5/4 das gesamte Stück – kaum wahrnehmbar, aber stetig präsent. Sie sind kein Effekt, sondern Teil eines rhythmischen Geflechts, das das Ensemble trägt und die Musik unmerklich in Bewegung hält.
Info
The music on this live album unfolds entirely from the energy of the moment. Like a life, it is full of emotion and unexpected changes – and over far too quickly.
Following their successful and critically acclaimed debut album What If, which won the HI FIVE Jazz Award and was included in the German Record Critics’ Best of the Year list, the Rainer Böhm Sextet’s first live album is now bring released. After performing together for several years at renowned festivals and clubs – including Jazzfest Berlin and Jazzfest Bonn – this recording was made over two evenings in the winter of 2024 at Bird’s Eye Basel.
The album captures the energy and creativity of each musician, as well as their sheer joy in making music together. In these sessions, the pieces had plenty of time to develop at their own pace. Expansive solo passages, generous room for improvisation, and close ensemble interaction gave rise to sweeping arcs of tension that evolved from evening to evening. The recording also allows us to hear and feel the intimate atmosphere of the club.
Six strong and uncompromising musical personalities come together here. Because each possesses an unmistakable voice, a unique band sound emerges that draws on a high degree of individuality. Raw energy and expressivity coexist with sensibility and teamwork. Each player knows when to step back, give the others space, and then move back into the spotlight at just the right moment. This spirit of mutual respect is reflected in the music.
Rainer Böhm’s compositions often explore the subtle nuances between melancholy and sentiment, and this emotional authenticity gives the music its special quality: it is open, immediate, and moving without ever becoming melodramatic. Pieces like Komunikado and The Way You Think are deliberately simple in structure and give the band a wide range of creative freedom, allowing each musician’s unique voice to become part of the composition itself. Other pieces, such as CSD or March, are more specifically composed and define the musical direction more clearly.
Rainer Böhm’s piano playing is fluid, expressive, and rich in tonal textures. The melodic, singing qualities of his lines is always in the foreground. His technical mastery gives him almost unlimited possibilities, but he never pursues virtuosity for its own sake. Musical expression and the sound of the band as a whole are always first in his mind.
The horn section plays an especially important role, bringing together three very different musical personalities: Percy Pursglove (trumpet), Wanja Slavin (alto saxophone), and Domenic Landolf (tenor saxophone). Their distinctive sound colors result in a cohesive, multi-layered ensemble that nevertheless leaves room for rough edges. Domenic Landolf’s modest personality is also reflected in his playing; his fine sense of musicality reveals itself in the details. Wanja Slavin, on the other hand, brings direct emotional power to the alto saxophone that immediately captivates listeners. Percy Pursglove combines spontaneity and creativity with exceptional instrumental mastery.
Arne Huber and Rainer Böhm share a deep, long-standing musical and personal friendship. Huber’s bass playing establishes a space in which his fellow musicians can freely express themselves. Jonas Burgwinkel supports this with his highly creative drumming, which accompanies and comments on the musical action while constantly providing new impulses. He challenges his fellow players while weaving a dense, pulsating rhythmic tapestry.
Some insights into individual pieces:
March was written in the month of the same name, and the drum groove reflects the ambiguity of the piece’s title. The music seems tailor-made for this ensemble. Wanja Slavin and Domenic Landolf open with a contrapuntal saxophone line whose tension amplifies the music’s melancholy character, while Percy Pursglove interprets the melody as confidently as if he had written it himself. Wanja Slavin plays the first solo. He immediately picks up the underlying emotional mood of the piece and develops it with great intensity. Rainer Böhm follows with an improvisation that takes us through a variety of musical territories. Shimmering, almost impressionistic arpeggios alternate with chordal passages; clearly phrased melodic lines are juxtaposed with freer sections that nevertheless remain anchored in the pulse. Again and again an inescapable melody emerges from this complexity to tie all the threads together. Toward the end, the music grows increasingly dense, leading to a finale that absorbs this tension and gives the ending an almost hymn-like quality.
Nebula Hymn takes a very different approach. The reduced compositional framework deliberately creates spaces in which the band’s individuality can unfold. The piece begins as a trio before the trumpet and saxophones gradually join in. At the end, the voices coalesce into a polyphonic texture to which each player contributes their own musical signature. Polyrhythmic layers of 3/4 and 5/4 permeate the entire piece – barely noticeable but constantly present. This is not merely an effect, but part of a rhythmic web that carries the ensemble and keeps the music imperceptibly in motion.
English translation by Richard Rieves and John Patrick Thomas.